La Punteta · 28 de Novembre de 2016. 17:20h.

XAVIER RIUS

Director d'e-notícies

Danke schön, Herr Kohl

Lieber Herr Kohl:

Ich wollte Ihnen für die Vereinigung Deutschlands danken. Ich bin kein Deutscher. In der Tat rede ich nicht einmal Deutsch – gerade mal Englisch und Französisch als Fremdsprachen und, selbstverständlich, Spanisch und Katalanisch - , aber ich wollte Ihnen für das, was Sie nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa, getan haben, bedanken.

Letztendlich erreichten Sie die Vereinigung Deutschlands ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Tatsache, die nicht einmal Bismarck gelang. Und Sie vollbrachten dies in der Rekordzeit von nicht einmal 329 Tagen. Zwischen dem Mauerfall an diesem 9. November 1989 und der Vereinigung am 2. Oktober 1990. Glauben Sie mir, ich war Mitte der achtziger Jahre zu Besuch in Ostberlin und es war eine andere Welt. Das Modernste, was sie hatten, war der Trabant.

Vielleicht bin ich auch unter dem Einfluss der Chronik, welche Seinerzeit einer Ihrer engsten Mitarbeiter des Kanzleramtes, Horst Teltschik, schrieb, und welche ich zufällig eines Tages in einem Seconhand-Buchladen in Barcelona fand. Genau wie im „Friedhof der vergessenen Bücher“ von Carlos Ruiz Zafón.

Aber die Jugend von heute ist sich dessen, was Ihre Generation getan hat, nicht bewusst: es existierte noch die UDSSR. Und ebenfalls der Warschauer Pakt. Selbst Deutschland war unter der Vormundschaft der vier Weltmächte. Man musste bis auf Herrn Gorbachov überzeugen. Und die Zweifel, die Europa ein vereintes Deutschland hervorriefen, zerstreuen. Die Geister der Vergangenheit.

Ja gut, einige Jahre später wurden Sie von einem Fall von Korruption, der Ihre Partei betraf, besudelt. Na und? Sogar hier zeigten Sie Ihre persönliche Integrität indem Sie die gesamte Verantwortung auf sich nahmen. Außerdem ist die schon 16 Jahre her! Ich war immer der Meinung, dass die Ehrenbezeigungen zu Lebzeiten erwiesen werden sollten und nicht nach dem Verscheiden.

Tatsächlich dachte ich vor zwei Jahren vergeblich, dass die 25-Jahr Feier des Mauerfalls irgendwie für eine öffentliche Rehabilitierung dienen könnte. Aber nein. Sie erschienen nicht bei den Feierlichkeiten, Sie wurden nicht einmal eingeladen. Ein wenig wie es dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geschah – ich glaube, ihn hatten man ebenfalls nicht eingeladen – obwohl er später freigesprochen wurde.

Wissen Sie was meine persönliche Theorie ist? Sie schafften es die Wiedervereinigung voranzutreiben, weil Sie Geschichte kannten – nicht weniger als Doktor der Universität Heidelberg - . Wenn die heutigen Politiker mehr Geschichte lesen würden, ginge es uns heute besser: wenn du nicht die Zukunft vorhersagen kannst, lerne zumindest die Vergangenheit. Manchmal fehlt ihnen der ‘Background’.

Die Wahrheit ist, dass es eine nicht wiederholbare Generation war: Kohl, Mitterand, Felipe González, Margaret Thatcher, Jacques Delors (es gab nie wieder einen Präsidenten der Europäischen Kommission, wie ihn). Natürlich waren sie nicht perfekt. Aber einige scheinen mir politisch solider und intellektuell inhaltsreicher als einige europäische Führer der heutigen Zeit zu sein.

Manchmal ist das Leben eines Politikers bitter. Heute leben Sie zurückgezogen vom öffentlichen Leben. Auch Ihr Privatleben erwies sich als unsicher. Aber während der ersten Wahlkampagne in der DDR bejubelten Sie 200.000 Menschen in Chemnitz, 120.000 in Kottbus und 320.000 in Leipzig. Und an diesem 2. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung, erschallten vor dem Reichstag die Rufe “Helmut – Helmut”.

Die Chronik Herrn Teltschik endet mit einem lapidaren Satz: “Deutschland hat seine Einheit erreicht". Mich erinnert diese Kürze – sämtliche literarische und historische Abstände überbrückend – an den Satz, den Franz Kafka am 2. August 1914 in sein Tagebuch schrieb: “Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Am Nachmittag, Schwimmunterricht”. Der Zyklus der Geschichte hat sich geschlossen.

Los, auf was warten sie, um Ihnen eine Ehrung zu erweisen? Am Tage Ihres Todes wird alles Lobreden und in den Zeitungen seitenweise Lobreden sein. Aber dann wird es zu spät sein. Dann werden wir selbst Herrn Mijail Gorbachov danken müssen. Obgleich später die Walze der Geschichte über ihn herging.


Xavier Rius ist Leiter der Online-Zeitung E-Notícies (Barcelona)

3 Comentaris

#3 Jax el boletaire, Vic , 28/11/2016 - 22:53

Eres un crack but we dont speak german.

#2 La hora de los egoístas, Bcn, 28/11/2016 - 20:04

¿Sr. Rius para cuando "La puntita" en suajili?

#1 Background, Girona, 28/11/2016 - 18:17

No calía emprar el mot BACKGROUND, en alemany ja existeix HINTERGRUND.